Frisch: Vom Architekten zum Schriftsteller

Frisch: Vom Architekten zum Schriftsteller
Frisch: Vom Architekten zum Schriftsteller
 
Der studierte Architekt Max Frisch hatte seine großen Erfolge als Schriftsteller mit Romanen wie »Stiller« und Bühnenstücken wie »Andorra«. Frisch mischte sich intensiv in die politische Diskussion ein und galt manchen in seiner Schweizer Heimat deshalb als Nestbeschmutzer.
 
 Max Frisch — die Biografie
 
Ausbildung zum Architekten und Tätigkeit als freier Journalist
 
Max Frisch wurde am 15. 05. 1911 als Sohn eines Architekten in Zürich geboren. 1930—1933 studierte er Germanistik an der Universität Zürich.
 
Nach dem Tod des Vaters wechselte er zur Architektur an der ETH Zürich. 1941 legte er sein Examen als Architekt ab. Bereits ab 1931 war er als freier Journalist tätig gewesen, hauptsächlich für die »Neue Zürcher Zeitung«. Eine Reise durch den Balkan veranlasste ihn zu seinem ersten Roman »Jürg Reinhart. Eine sommerliche Schicksalsfahrt« (1934). 1942 heiratete Frisch Constanze von Meyenburg und machte sich als Architekt selbstständig. Er gewann den Wettbewerb für ein Schwimmbad in Zürich. 1943 erschien der Roman »J«adore ce qui me brûle oder Die Schwierigen«.
 
Dramen ab Mitte der 40er-Jahre
 
Mitte der 40er-Jahre begann Frisch mit dem Schreiben von Dramen für das Theater. »Nun singen sie wieder« (1946) thematisiert die Situation der Nachkriegszeit, »Die Chinesische Mauer« (1947) verfremdet dieselbe Problematik als Märchen.
 
Frisch unternahm in dieser Zeit viele Reisen, auch in den Osten Europas. Von bleibendem Eindruck war seine Begegnung mit seinem großen Vorbild Bertolt Brecht 1947/1948 in Zürich. 1951 ging Frisch als Rockefeller-Stipendiat in die USA. Seine Romane »Stiller« (1954) und »Homo faber« (1957) verarbeiten die Erfahrungen dieser Zeit.
 
Nach dem Erfolg von »Stiller«: Ende des Architektenberufs
 
Aufgrund des Erfolges vor allem von »Stiller« konnte Frisch sich auf die Tätigkeit als Schriftsteller konzentrieren. Sein erster Bühnenerfolg war das Stück »Biedermann und die Brandstifter« (1958), das er zunächst 1955 als Hörspiel verfasst hatte.
 
Frisch wechselte nun häufig den Wohnort, trennte sich von seiner ersten Frau, lebte von 1960—1965 in Rom und war von 1958—1962 der Lebensgefährte von Ingeborg Bachmann. 1961 hatte das Theaterstück »Andorra« weltweiten Erfolg.
 
In den 70er- und 80er-Jahren nur noch respektiert
 
In den 70er- und 80er-Jahren hatte Frisch mit Werken wie »Triptychon«, Theaterstück (1978), »Der Mensch erscheint im Holozän«, Erzählungen (1979), oder »Blaubart«, Erzählungen (1982), nicht mehr den Aufsehen erregenden Erfolg. Allenfalls mit Respekt wurde sein Schaffen begleitet. 1976 bekam er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.
 
Ende der 70er-Jahre übergab Frisch seine Werke in die Obhut eines Archivs an der ETH Zürich. Seine späten Werke sind dann erfüllt von der Problematik des Alterns und dem Bewusstsein des Näherrückens des Todes. Max Frisch starb am 04. 04. 1991 in Zürich, nur wenige Wochen nach seinem Landsmann Friedrich Dürrenmatt.
 
 Die Themen des Max Frisch
 
Von Selbstbezogenheit zu aktiver Teilnahme
 
In seinen Anfangswerken zeichnet sich Frisch durch sehr stimmungsorientierte Sprache aus und romantisiert sehr stark.
 
Beinahe abrupt wandte er sich dann von einer starken Selbstbezogenheit hin zu bewusster Anteilnahme am Zeitgeschehen (ab 1945). Immer finden die Probleme der Welt in ihrer Darstellung bei Frisch ein Individuum, an dessen Beispiel er sie verdeutlicht.
 
Ein Hauptthema ist für Frisch auch das Ausbrechen des Menschen aus den Klischees vorgezeichneter Abläufe, verbunden mit dem Problem der Findung der eigenen Identität (so in »Stiller«). Ein Grundthema seiner Arbeiten ist ferner der Gegensatz zwischen der Enge der Heimat und der Weite der Welt.
 
Politisches Engagement
 
Ab Ende der 50er-Jahre greift der Autor auch offen in die politische Diskussion seiner Zeit ein, so 1958 mit einer Rede aus Anlass der Verleihung des Büchner-Preises und einer Rede bei der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse. Frisch wird ein häufig interviewter und in vielen Medien präsenter Mann. Auch auf SPD-Parteitagen ergreift er als Redner das Wort. Durch seine offene Stellungnahme zu schweizerischen Problemen wird er von Teilen der eidgenössischen Gesellschaft als Nestbeschmutzer gesehen.
 
Schwieriges Alterswerk
 
Ein gegenläufiger Trend zu dieser Art von Politisierung und Öffentlichkeitsauftritten ist dann in Frischs Alterswerk zu sehen. Seine Figuren werden darin immer rätselhafter, der Einzelne ist immer mehr in eine undurchdringbar werdende Umwelt eingemauert.
 
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| ZEITTAFEL: DAS LEBEN DES MAX FRISCH                                                       |
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| 1911         | Am 15. 05. 1911 kommt Max Frisch als Sohn eines Architekten in       |
|                 | Zürich zur Welt.                                                                                |
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| 1930         | Frisch beginnt ein Germanistikstudium an der Universität                     |
|                 | Zürich.                                                                                             |
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| 1934         | Der erste Roman erscheint: »Jürg Reinhart. Eine sommerliche             |
|                 | Schicksalsfahrt«.                                                                              |
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| 1936         | Nach dem Tod des Vaters beginnt Frisch ein                                      |
|                 | Architekturstudium.                                                                           |
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| 1941         | Abschluss des Studiums                                                                   |
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| 1942         | Frisch heiratet Constanze von Meyenburg und macht sich als              |
|                 | Architekt selbstständig.                                                                     |
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| 1943         | Der Roman »J'adore ce qui me brûle oder Die Schwierigen«                 |
|                 | erscheint.                                                                                         |
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| 1946         | »Nun singen sie wieder« (Drama)                                                       |
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| 1947         | »Die Chinesische Mauer« (Drama)                                                      |
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| 1947/48     | Begegnung mit Brecht in Zürich                                                         |
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| 1951/52     | USA-Aufenthalt als Rockefeller-Stipendiat                                           |
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| 1954         | »Stiller« (Roman)                                                                              |
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| 1957         | »Homo faber« (Roman)                                                                      |
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| 1958         | »Biedermann und die Brandstifter« (Drama, 1955 als Hörspiel               |
|                 | geschrieben) wird Frischs erster Bühnenerfolg.                                    |
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| 1961         | Mit »Andorra« hat Frisch einen Welterfolg.                                          |
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| 1975         | »Montauk« (Prosa)                                                                            |
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| 1976         | Friedenspreis des Deutschen Buchhandels                                         |
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| 1978         | »Triptychon. Drei szenische Bilder«                                                    |
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| 1979         | »Der Mensch erscheint im Holozän« (Prosa)                                       |
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| 1980         | Gründung der Max-Frisch-Stiftung in Zürich                                         |
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| 1991         | Am 04. 04. 1991 stirbt Max Frisch in Zürich.                                       |
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Max Frisch, herausgegeben von Walter Schmitz. Neudruck Frankfurt am Main 1987.
 Klaus Müller-Salget: Max Frisch. Stuttgart 1996.
 Hans Jürg Lüthi: Max Frisch. »Du sollst dir kein Bildnis machen«. Tübingen 21997.
 Marcel Reich-Ranicki: Max Frisch. Aufsätze. Neuausgabe Zürich 1998.
 Volker Hage: Max Frisch. Reinbek1999.

Universal-Lexikon. 2012.

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